Aktuelles
Download: ausgewählte Handouts meiner Vorträge
Vorher-Nachher: Schicken Sie mir Ihre Präsentation
Über diesen Blog
PowerPoint-Präsentationen sind allgegenwärtig, überzeugende Präsentationen leider nicht. Dieser Blog gibt Tipps zum Bessermachen.
Über den Autor
Dr. Michael Gerharz ist Coach und Trainer für überzeugende Präsentationen. Seine Homepage finden Sie unter michaelgerharz.com.
Links
Twitter Kurzmeldungen Del.icio.us Linksammlung Impressum

Verstehen Sie?

Ein gängiges Modell zur theoretischen Beschreibung von Kommunikationsprozessen unter Menschen ist das Sender-Empfänger-Modell, das aus fünf Komponenten besteht: Sender-Medium-Nachricht-Empfänger-Reaktion. In einer Präsentation bedeutet das in etwa: Ein Sprecher vermittelt mit Hilfe von Folien eine Botschaft an das Publikum, das im besten Fall eifrig diskutiert und im schlimmsten Fall total gelangweilt ist.

Wirklich interessant ist es, zu beobachten, auf welche dieser Komponenten ein Vortragender sich konzentriert, das sagt Ihnen nämlich etwas über seinen Reifegrad:

Phase 1: Der Anfänger: leerer Kreis
Phase 1: Der Anfänger Der Anfänger ist primär mit sich selbst, dem Sender, beschäftigt. Er nutzt seine Folien als Gedankenstütze, schaut das Publikum nicht an und dreht sich häufig zur Projektionsfläche um. Botschaften, die auf den Punkt gebracht sind und eine übersichtliche Struktur haben, sind eher Zufall.

Phase 2: Der Blender - leerer Kreis mit Strahlen
Phase 2: Der Blender Der Blender ist vor allem mit der Technik beschäftigt und hat entdeckt, was alles in PowerPoint steckt. Bei ihm sind die Folien wichtiger als der Inhalt: möglichst viele Farben, Animationseffekte, schrille Bilder ohne Bezug zum Thema. Ob das dem Verständnis nützt, hinterfragt er nicht.

Phase 3: Der Botschafter - ausgefüllter Kreis
Phase 3: Der Botschafter Der Botschafter hat begriffen, dass er sich über seine Kernaussagen klar werden muss, die er jedoch nicht aus der Sicht seiner Zuhörer formuliert. Er spricht vom besten Samen anstatt vom schönsten Rasen, präsentiert reine Fakten anstatt sie in den Kontext der Zuhörer zu stellen.

Phase 4: Der Erklärer - ausgefüllter Kreis vor Publikum
Phase 4: Der Erklärer Der Erklärer hat eingesehen, dass seine Botschaft nur dann bei seinen Zuhörern ankommt, wenn diese einen Nutzen für sich erkennen. Er denkt sich in die Bedürfnisse seiner Zuhörer herein und passt seine Präsentation individuell für jedes Publikum an.

Phase 5: Der Versteher - ausgefüllter Kreis inmitten des Publikums
Phase 5: Der Versteher Der Versteher hat erkannt, dass eine Präsentation dann besonders überzeugend ist, wenn die Zuhörer aktiv mit eingebunden werden. Er gibt Gelegenheit für Fragen und geht auf positive oder negative Reaktionen ein. Er spricht nicht zu seinem Publikum sondern mit ihm.

Verwandte Artikel:
Buchempfehlung: Nick Morgan – Give Your Speech, Change the World
Des Pianisten Pobacke
|

Des Pianisten Pobacke

Haben Sie sich schon einmal gewundert, warum Musiker eigentlich so merkwürdige Bewegungen zu ihrer Musik machen? Warum etwa ein Pianist auf seinem Hocker hin- und herwackelt? Eine wundervolle Erklärung dafür liefert Benjamin Zander, Dirigent des Boston Philharmonic Orchestra, in seinem bewegenden Vortrag bei der diesjährigen TED-Konferenz. Die 20 Minuten sollten Sie wirklich investieren:


Zander erläutert äußerst amüsant, wieso Sie ein besserer Klavierspieler werden, wenn Sie auf nur einer Pobacke sitzen. Ich garantiere Ihnen, Sie werden klassische Musik mit anderen Ohren hören, wenn Sie gesehen haben, wie Zander ein Chopin-Stück auf diese Weise interpretiert. Und was hat das nun mit Präsentieren zu tun?

Wer auf einer Pobacke spielt, der löst sich aus seiner verkrampften Haltung und lässt die Musik fließen von der ersten bis zur letzten Note. Er begreift die Musik nicht als willkürliche Aneinanderreihung einzelner Noten, sondern erkennt wie sich aus Noten Melodien formen. Erst dadurch schickt Chopins Stück den Hörer auf eine Reise, die mit der Note b (deutsches h) beginnt und mit der Note e endet. Das darf man übrigens ruhig bildlich als b-eginn und e-nde lesen. Zander erklärt die Ein-Pobacken-Spielweise dabei so:


Das täte auch vielen PowerPoint-Präsentationen gut. Zanders Klavierschüler, der sich auf jede einzelne Note konzentrieren muss, ist nämlich niemand anderes als der Vortragende, der Folie für Folie abliest, der keinen roten Faden hat und keine klare Botschaft vermittelt. Die Präsentation ist dann eine Aneinanderreihung einzelner Detail-Folien, anstatt eines spannenden Vortrags, der die Zuhörer zu b-eginn an ihrem Wissensstand abholt und entlang eines roten Fadens zur Kernaussage am e-nde führt. Auf einer Pobacke zu präsentieren heißt demnach, sich über die eigene Botschaft im Klaren zu sein und Folien als Hilfsmittel zu begreifen, statt sich an sie zu klammern.

Links zu dem Thema:
Homepage von Benjamin Zander
Zanders Buch The Art of Possibility bei Amazon.de
Artikel in Presentation Zen: Benjamin Zander: Who are we being?
Jerry Weissman: Presenting to Win: The Art of Telling Your Story
Buchempfehlung: Nick Morgan – Give Your Speech, Change the World
Das Geheimnis einer kleinen Box

|

Was stimmt mit dieser Folie nicht?

Die jüngste Vorstellung der neuen iPhone-Version hat es wieder deutlich gemacht: Die mobile Internet-Nutzung ist auf dem Vormarsch. Jahre nach den sündhaft teuren UMTS-Versteigerungen ist also endlich abzusehen, dass die höheren Geschwindigkeiten auch tatsächlich gebraucht werden.

Die Netzbetreiber rühren daher auch schon kräftig die Werbetrommel für die nächste Mobilfunkgeneration, die Next Generation Mobile Networks, so z.B. Vodafone auf der CeBit und beim eco-Verband. Die folgende Folie dient in beiden Vorträgen als Motivation und soll die große Bedeutung der mobilen Breitbandanwendungen für den Mobilfunkmarkt verdeutlichen. Die Folie enthält eine Grafik, die das Wachstum der mobilen Datenraten zeigt und einige Bullet-Points, die arguementieren, wie stark der Bedarf an mobilen Breitbandanwendungen, gerade in Deutschland, in letzter Zeit gestiegen ist. Aber irgendetwas stimmt nicht mit der Folie! Sehen Sie es?

Beispielfolie: Mobile Broadband is the key market driver today

Lesen Sie mehr...
|

Was bleibt: Einfaches

Damit die Zuhörer bei einer Präsentation etwas mit nach Hause nehmen, muss die Botschaft möglichst einfach verpackt werden. Das ist eines der 6 Prinzipien des Buches Was bleibt, das ich letzte Woche besprochen habe, und die Basis, auf der die anderen 5 Prinzipien aufbauen. Die Kernaussage der Autoren, Chip und Dan Heath, dazu ist:

Einfache Botschaften sind auf den Kern reduziert und kompakt.

Das hört sich leicht an, ist aber in der Praxis doch meist eine harte Nuss. Kern des Problems ist das, was die Heath-Brüder Was bleibt den "Fluch des Wissens" nennen. Als Vortragender ist man normalerweise Experte für sein Thema, man ist sozusagen Wissender. Als Experte aber hält man nicht selten vieles für wichtig, was für ein erstes Verständnis absolut unwichtig ist. Wenn aber alles wichtig ist, dann ist nichts wichtig. Dann muss man Prioritäten setzen, um den Zuhörern eine Chance zu geben, die Idee zu verstehen. Denn nur dann haben sie auch eine Chance, die Idee auch zu behalten.

Wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtigKernaussagen werden sichtbar, wenn sie auf das Wesentliche reduziert werden
Wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig! Ideen sind erst dann einfach, wenn sie auf das Wesentliche reduziert werden.

Das heißt andererseits natürlich nicht, dass jede Idee auch von jedem Zuhörer verstanden werden muss. Es geht nicht darum, Ideen zu banalisieren, Quantenphysik erfordert eben spezielle Kenntnisse. Aber auch Quantenphysik kann man kompliziert oder einfach formulieren und trotzdem exakt bleiben.

Links zu verwandten Artikeln:
Buchempfehlung: "Was bleibt" von Chip und Dan Heath
18 Minuten für die großartigsten Ideen dieser Welt
In sechs Wörtern zum Punkt kommen

|