09.04.2008 14:44 Abgelegt in:
Design
Der Coca-Cola-Abfüller Coca-Cola-West aus Japan hat sich mit dieser
(und natürlich den übrigen Folien) die
Zitrone des
Monats redlich verdient. Aber was genau ist eigentlich so
schlecht an dieser Folie? Ich nutze die Gelegenheit einmal für
einen
weiteren
Vorher-Nachher-Vergleich.
Folien sind dazu da, eine Präsentation optimal zu unterstützen und
die wesentlichen Aussagen zu unterstreichen. Diese Folie ist jedoch
so voll, dass man gar nicht weiß, wo man beginnen soll.
Es gibt
drei wesentliche Elemente: eine
Abbildung, die die Drei-Farben-Stratgie von Coca-Cola
veranschaulicht, ein
Diagramm, das die Veränderung des
Ergebnisses zum Vorjahr zeigt, und eine
Tabelle, die für
jede der Farben Statistiken zeigt. Alle drei Elemente schreien
durch ihre schrille Farbgebung nach Aufmerksamkeit. Was ist
eigentlich das Wesentliche und was nur erklärende
Zusatzinformation? Betrachten wir die drei Elemente im Einzelnen.
Die Abbildung
Eigentlich eine gute Idee, jedoch amateurhaft umgesetzt. Zu jeder
Farbe der Drei-Farben-Strategie wird das Logo dargestellt und durch
die entsprechende Farbe noch visuell unterstützt. Hier beginnt aber
schon das Grauen. Die farbigen Boxen sind stümperhaft ausgerichtet.
Die Logos überlappen und decken ihre farblichen Boxen nicht richtig
ab. Außerdem ist unklar, welchen Zweck die Farbverläufe erfüllen,
die zudem noch größtenteils hinter den Logos verschwinden. Unklar
ist auch, warum die Schriften hier mit Schatten versehen sind, was
die Lesbarkeit verschlechtert (und so nicht noch einmal verwendet
wird). Auch die hässlichen weißen Streifen in der silbernen Box
zeugen nicht gerade von Sorgfalt beim Design.
Die Tabelle
Die Tabelle gibt für jede der drei Farben drei Werte an, die
Zielgruppe, den Umsatz im Jahr 2007 und die prozentuale Veränderung
im Vergleich zum Vorjahr. Außerdem werden in der letzten Zeile die
akkumulierten Werte für alle drei Farben genannt. Das größte
Problem an der Tabelle ist die Spalte "target", die hier, unter der
Überschrift "Umsatz", nämlich eigentlich nichts zu suchen hat. Viel
besser würde die Information in den Kontext der Abbildung passen,
um die Bedeutung der drei Farben zu erläutern. An dieser Stelle
lenkt sie nur ab, denn sie alleine taugt auch nicht recht zu
Erklärung der Umsätze.
Darüber hinaus ist es ungünstig, dass die Reihenfolge der
Farbmarken eine andere ist, als in der Abbildung; das sorgt leicht
für Verwirrung. Warum werden eigentlich die Farben hier nicht
wiederverwendet? Nicht besonders glücklich ist auch die Wahl der
Farbe rot für die erste Zeile. Auch das kann Verwirrung stiften, da
rot ja eine der drei Markenfarben ist, hier aber in einem ganz
anderen Kontext verwendet wird.
Das Diagramm
Das Balkendiagramm enthält im Wesentlichen drei Zahlen, wobei sich
zwei davon schon aus der Tabelle ergeben. Die prozentuale
Veränderung von 16% steht so bereits in der Tabelle (und ist daher
redundant) und die absolute Veränderung ließe sich leicht aus der
Tabelle ableiten, wenn sie denn wirklich relevant wäre. Im Grunde
geht es in dem Diagramm aber nur um zwei Zahlen, nämlich den
Vergleich des Wachstums in 2006 und 2007. Braucht man dafür
wirklich ein eigenes Diagramm? Für zwei Zahlen? Und was soll
eigentlich die Farbgebung symbolisieren? Hängt der rote Farbverlauf
mit dem roten Farbverlauf der roten Kernmarke zusammen? Wohl nicht,
denn hier handelt es sich um das akkumulierte Ergebnis aller drei
Farben, wieder einmal Verwirrungspotential. Da hilft es auch nicht,
dass die Verläufe jetzt horizontal anstatt vertikal sind.
Wie geht es besser?
Um es besser zu machen, muss zunächst einmal klar sein, was
überhaupt die wesentliche Aussage sein soll. Da ich nicht in den
Köpfen der Coca-Cola-West-Manager stecke, kann ich hier natürlich
nur vermuten, dass es das Wachstum von 16% ist, insbesondere im
Vergleich zum schlechten Ergebnis des Vorjahres. Die anderen
Elemente dienen als Erklärung. Man muss also die Aufmerksamkeit auf
die Zahl 16% lenken. Ein Diagramm ist hierfür überflüssig. Als
Erklärung für die Veränderung kann dann die Aufschlüsselung auf die
drei Farben dienen, dazu braucht man aber nicht unbedingt eine
extra Tabelle. Da man nicht beliebig viel Information auf einer
Folie unterbringen kann, habe ich mich entschieden, die prozentuale
Veränderung der Farben und die absolute Veränderung der Gesamtmarke
wegzulassen, schließlich gibt es ja noch ein Handout, in dem das
ergänzend aufgeführt werden kann. Das Ergebnis könnte vielleicht so
aussehen.

Der Betrachter wird visuell klar
geführt und erkennt sofort, was die wichtigste Aussage ist und in
welcher Folge die Folie zu lesen ist. Wem das zu spartanisch ist,
der kann natürlich auch die übrigen Informationen auf seinen Folien
unterbringen, aber muss es dann unbedingt auf einer Folie
sein?




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