Des Pianisten Pobacke
Zander erläutert äußerst amüsant, wieso
Sie ein besserer Klavierspieler werden, wenn Sie auf nur einer
Pobacke sitzen. Ich garantiere Ihnen, Sie werden klassische Musik
mit anderen Ohren hören, wenn Sie gesehen haben, wie Zander ein
Chopin-Stück auf diese Weise interpretiert. Und was hat das nun mit
Präsentieren zu tun?
Wer auf einer Pobacke spielt, der löst sich aus seiner verkrampften
Haltung und lässt die Musik fließen von der ersten bis zur letzten
Note. Er begreift die Musik nicht als willkürliche
Aneinanderreihung einzelner Noten, sondern erkennt wie sich aus
Noten Melodien formen. Erst dadurch schickt Chopins Stück den Hörer
auf eine Reise, die mit der Note b (deutsches h) beginnt und mit
der Note e endet. Das darf man übrigens ruhig bildlich als b-eginn
und e-nde lesen. Zander erklärt die Ein-Pobacken-Spielweise dabei
so:

Das täte auch vielen
PowerPoint-Präsentationen gut. Zanders Klavierschüler, der sich auf
jede einzelne Note konzentrieren muss, ist nämlich niemand anderes
als der Vortragende, der Folie für Folie abliest, der keinen roten
Faden hat und keine klare Botschaft vermittelt. Die Präsentation
ist dann eine Aneinanderreihung einzelner Detail-Folien, anstatt
eines spannenden Vortrags, der die Zuhörer zu b-eginn an ihrem
Wissensstand abholt und entlang eines roten Fadens zur Kernaussage
am e-nde führt. Auf einer Pobacke zu präsentieren heißt demnach,
sich über die eigene Botschaft im Klaren zu sein und Folien als
Hilfsmittel zu begreifen, statt sich an sie zu klammern.
Links zu dem Thema:
Homepage von Benjamin
Zander
Zanders Buch The
Art of Possibility bei Amazon.de
Artikel in Presentation Zen: Benjamin Zander:
Who are we being?
Jerry Weissman: Presenting
to Win: The Art of Telling Your Story
Buchempfehlung: Nick Morgan – Give Your Speech, Change the
World
Das
Geheimnis einer kleinen Box
Ich mache es nicht

„Ich tue jetzt etwas, was ich noch nie getan habe. Als ich vor einigen Wochen meinen Eltern davon erzählte, wollten die mich gleich für ihr Jubiläum engagieren. Da sagte ich mir: Nein, das mache ich nicht; die erwarten viel zu viel von mir. Als der Kirchenchor dann am Nachmitag ausgerechnet mein Lied anstimmte, sagte ich mir: Nein, das mache ich nicht; da kann ich eh nicht mithalten. Als heute abend das Essen serviert wurde, sagte ich mir: Nein, das mache ich nicht; ich blamier’ mich doch bloß und die anderen finden’s peinlich. Vor einer Minute dachte ich mir: Nein, das mache ich nicht.“
Dann begann sie zu singen und es war toll, mit ihrem Geschenk traf sie genau ins Schwarze.
Wenn Sie schon einmal ein Präsentationsseminar besucht haben, haben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit den Ratschlag gehört, sich nicht zu entschuldigen. Eine Entschuldigung mache das Publikum möglicherweise erst auf Fehler aufmerksam, die es selbst gar nicht bemerken würde und lasse sie selbst unprofessionell wirken. Etwas ganz ähnliches habe auch ich schon einmal hier geschrieben.
Aber: wichtiger als jede Regel ist, dass Sie als Person authentisch sind. Mit ihrer Geschichte hat die Freundin alles richtig gemacht. Sie hat eine Verbindung zum Publikum aufgebaut, sie war authentisch und jeder fühlte mit ihr. Regeln sind wichtig, aber urteilen Sie immer nach Ihrem Gefühl. Wenn es zu Ihnen passt, dann ist alles erlaubt.
Was wäre Apple ohne Steve Jobs?

Die diesjährige Keynote ist hervorragend geeignet, um einige der Konzepte aus Nick Morgans Buch Give Your Speech, Change the World, noch einmal aufzugreifen. Von Interesse ist für uns dabei vor allem der erste Teil der diesjährigen Keynote, der dieses Jahr nämlich nicht von Steve Jobs, sondern von Scott Forstall, verantwortlich für die iPhone-Software, gehalten wurde. Welch Unterschied stellte dieser Auftritt zu den charismatischen Auftritten Steve Jobs’ dar. Ein direkter Vergleich offenbart einige der grundlegenden Regeln für publikumsorientierte Präsentationen. Lesen Sie mehr...
Buchempfehlung: Nick Morgan - Give Your Speech, Change the World
Das ist die Botschaft von Nick Morgans exzellentem Buch Give Your Speech, Change The World. Eine Präsentation, mit der Sie nicht die Welt verändern wollen, die nichts bewirken soll, ist vergeudete Zeit für Ihre Zuhörer und für Sie selbst. Lesen Sie mehr...
Post vom Amt

Heute wurde das Projekt IDEMA "Internetdienst für eine moderne Amtssprache" für seine Pionierarbeit auf dem Weg zu allgemeinverständlichen Behördenbriefen geehrt. Es wurde offiziell in die Liste der 365 Orte im Land der Ideen 2008 aufgenommen. Das Projekt analysiert im Auftrag von Verwaltungen deren Briefe und erarbeitet verständlichere Formulierungen. Einige Beispiele sind auf der Webseite veröffentlicht.
Eine verständlichere Sprache könnte auch so mancher Vortrag gut gebrauchen. Gerade Experten neigen häufig dazu, ihre Vorträge mit viel zu vielen Fachausdrücken zu schmücken. Oft genug setzen sie auch ein viel zu hohes Vorwissen voraus, anstatt die Zuhörer bei ihrem tatsächlichen Stand abzuholen. Diese Experten sollten sich ein Beispiel an dem Projekt IDEMA nehmen. Einen Vortragenden, der nur für sich selbst redet, braucht nämlich kein Mensch.
Links zu dem Thema:
365 Ideen aus Deutschland, die in die Zukunft tragen, Buch zur Veranstaltungsreihe 365 Orte im Land der Ideen.
Entschuldigen Sie meine Unsicherheit

"Entschuldigen Sie das etwas wirre
Layout, aber ich bin leider kein Profi in PowerPoint." Diese und
ähnliche Rechtfertigungen hört man immer wieder von Vortragenden,
die sich nicht so richtig wohl fühlen in ihrer Rolle vor Publikum,
oder die das Gefühl haben, ihre Präsentation sei nicht so gut
gelungen, wie sie es sich gewünscht hätten.
Überhaupt wird sich viel entschuldigt in Präsentationen:
- weil die Technik nicht so funktioniert wie erwartet.
- weil man vergessen hat, etwas zu erwähnen.
- weil man nervös ist.
- ...
Sprechen Sie flüssig oder, äh, verständlich?
Neuere wissenschaftliche Untersuchungen legen jedoch einen etwas unverkrampfteren Umgang mit dieser sog. "Disfluenz" nahe. Jennifer Arnold von der University of North Carolina hat mit ihren Kollegen den Einfluss des Verlegenheitswortes "äh" auf das Textverständnis der Zuhörer untersucht.
Demnach kann das Wort "äh" sogar das Textverständnis der Zuhörer verbessern. Die Testpersonen konnten sich nämlich nach einem "äh" viel eher auf etwas Neues bzw. Schwieriges konzentrieren. Die kleine Pause vor dem folgenden Wort, die die scheinbare Schwierigkeit signalisiert, die der Redner mit dem folgenden Wort hat, ermöglicht den Zuhörern offenbar ein besseres Textverständnis. Neues bzw. Schwieriges wird also anscheinend leichter verarbeitet, wenn ein "äh" vorausgeht. Martin Corley von der University of Edinburgh hat sogar ergänzend festgestellt, dass sich die Zuhörer Wörter besser merken, wenn sie auf ein "äh" folgen.
Heißt das nun, dass ein souveräner Redner das Wort "äh" absichtlich verwenden sollte, um das Textverständnis der Zuhörer zu verbessern? So weit sollte man vielleicht nicht gehen. Aber man sollte sich auch nicht über jedes "äh" ärgern. Erst wenn man übermäßig oft "äh" sagt, sollte man versuchen, an sich zu arbeiten (etwa indem man verstärkt übt oder bewusst langsam spricht).
Im übrigen sollten Sie vielleicht einmal an sich selbst beobachten, z.B. durch eine Videoaufzeichnung, wann Sie eigentlich "äh" sagen. Vielleicht erhalten Sie so Hinweise darauf, mit welchen Wörtern oder Argumentationen Sie selbst Schwierigkeiten haben. Dann könnten Sie gezielt versuchen, diese Teile ihrer Präsentation noch klarer auszuarbeiten.
[vgl. Äh und Ähm betonen Sprache und schaden ihr nicht]
Zitat: Miles Davis über das Improvisieren

Natürlich gilt das nicht nur für Präsentationen; eine Menge anderer Vortragender kennt dasselbe Problem. Musiker sind z.B. nicht davor gefeit, falsche Töne zu spielen, umso mehr wenn sie improvisieren. Miles Davis, einer der großen Jazz-Improvisatoren, hatte dazu jedoch folgendes zu sagen:

Was einen guten von einem großartigen
Vortragenden unterscheidet ist demnach die Fähigkeit, die
Kontrolle zu behalten, selbst wenn Unvorhergesehenes
passiert. Miles Davis war mit Sicherheit einer der
großartigsten Musiker der Jazzgeschichte. Vielleicht waren andere
Trompeter technisch noch versierter, aber Miles Davis wusste, wie
man den richtigen Ton zur richtigen Zeit spielt... und wie man die
Situation kontrolliert, wenn man doch einmal die falsche Note
gespielt hat. Sein Verständnis für seine Materie, die Jazzmusik,
war so groß, dass er unvorhergesehene Situationen auch live auf der
Bühne meist souverän auflösen konnte - und damit bisweilen gerade
aus einer "eigentlich" falschen Note eine großartige neue Melodie
erschuf.
Was können wir von Miles Davis' Zitat für unvorhergesene
Situationen während einer Präsentation lernen?







