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Über diesen Blog
PowerPoint-Präsentationen sind allgegenwärtig, überzeugende Präsentationen leider nicht. Dieser Blog gibt Tipps zum Bessermachen.
Über den Autor
Dr. Michael Gerharz ist Coach und Trainer für überzeugende Präsentationen. Seine Homepage finden Sie unter michaelgerharz.com.
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Randy Pausch ist tot

Gestern ist nach langer Krankheit Randy Pausch im Alter von 47 Jahren an Krebs gestorben. Der Informatikprofessor hielt am 18. September 2007 an der Carnegie Mellon Universität seine berühmt gewordene „letzte Vorlesung“. Die „letzte Vorlesung“ ist eine akademische Vortragsreihe, in der Professoren aufgefordert werden, eine „hypothetisch letzte Vorlesung zu halten.“ Sie werden also mit der Frage konfrontiert: „Was würden Sie der Welt sagen, wenn es Ihre letzte Chance wäre, etwas zu sagen?“ Für Randy Pausch, der damals bereits von seiner Krankheit wusste, war es nicht nur hypothetisch, sondern tatsächlich seine letzte Vorlesung.

Schon damals war ich tief bewegt von der Kraft und Lebendigkeit dieses Vortrags. Wer es bis jetzt noch nicht getan hat, der sollte die Gelegenheit nutzen, sich diese Vorlesung anzusehen.

If I only had three words of advice, they would be ’Tell the Truth.’ If I got three more words, I'd add ’all the time.’


Links zu Randy Pausch:
Randy Pauschs Homepage
Wikipedia-Artikel zu Randy Pausch mit vielen weiteren Links
The Last Lecture – Das Buch

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Wie sieht Sprache aus?

Typography is what language looks like
Typografie ist die Kunst, Schrift so zu gestalten, dass ihr Erscheinungsbild mit dem Inhalt in optimalem Einklang steht. Wenn Sie z.B. Folien gestalten, die die Botschaft Ihres Vortrags optimal unterstützen sollen, dann hilft Ihnen ein Grundverständnis der Typografie dabei, sich aus den Fesseln der allgegenwärtigen Arial- und Times-New-Roman-Langeweile zu befreien und aussagekräftigere Folien zu gestalten, die das Wesentliche betonen.

Einige Anregungen, was mit bewusstem Einsatz von Schrift alles möglich ist, möchte ich Ihnen in Form einiger Video-Tipps geben, in denen ausnahmsweise einmal die Schrift die Hauptrolle spielt, die gerade dadurch aber eine erstaunliche Faszination ausüben. Lesen Sie mehr...
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Des Pianisten Pobacke

Haben Sie sich schon einmal gewundert, warum Musiker eigentlich so merkwürdige Bewegungen zu ihrer Musik machen? Warum etwa ein Pianist auf seinem Hocker hin- und herwackelt? Eine wundervolle Erklärung dafür liefert Benjamin Zander, Dirigent des Boston Philharmonic Orchestra, in seinem bewegenden Vortrag bei der diesjährigen TED-Konferenz. Die 20 Minuten sollten Sie wirklich investieren:


Zander erläutert äußerst amüsant, wieso Sie ein besserer Klavierspieler werden, wenn Sie auf nur einer Pobacke sitzen. Ich garantiere Ihnen, Sie werden klassische Musik mit anderen Ohren hören, wenn Sie gesehen haben, wie Zander ein Chopin-Stück auf diese Weise interpretiert. Und was hat das nun mit Präsentieren zu tun?

Wer auf einer Pobacke spielt, der löst sich aus seiner verkrampften Haltung und lässt die Musik fließen von der ersten bis zur letzten Note. Er begreift die Musik nicht als willkürliche Aneinanderreihung einzelner Noten, sondern erkennt wie sich aus Noten Melodien formen. Erst dadurch schickt Chopins Stück den Hörer auf eine Reise, die mit der Note b (deutsches h) beginnt und mit der Note e endet. Das darf man übrigens ruhig bildlich als b-eginn und e-nde lesen. Zander erklärt die Ein-Pobacken-Spielweise dabei so:


Das täte auch vielen PowerPoint-Präsentationen gut. Zanders Klavierschüler, der sich auf jede einzelne Note konzentrieren muss, ist nämlich niemand anderes als der Vortragende, der Folie für Folie abliest, der keinen roten Faden hat und keine klare Botschaft vermittelt. Die Präsentation ist dann eine Aneinanderreihung einzelner Detail-Folien, anstatt eines spannenden Vortrags, der die Zuhörer zu b-eginn an ihrem Wissensstand abholt und entlang eines roten Fadens zur Kernaussage am e-nde führt. Auf einer Pobacke zu präsentieren heißt demnach, sich über die eigene Botschaft im Klaren zu sein und Folien als Hilfsmittel zu begreifen, statt sich an sie zu klammern.

Links zu dem Thema:
Homepage von Benjamin Zander
Zanders Buch The Art of Possibility bei Amazon.de
Artikel in Presentation Zen: Benjamin Zander: Who are we being?
Jerry Weissman: Presenting to Win: The Art of Telling Your Story
Buchempfehlung: Nick Morgan – Give Your Speech, Change the World
Das Geheimnis einer kleinen Box

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Zurück an der Uni

Hauptgebäude der Universität Bonn [Foto: Dr. Thomas Mauersberg]
In den vergangenen beiden Wochen hatte ich wieder das Vergnügen, an meine alte Wirkungsstätte zurückzukehren für zwei Vorlesungen über mein Promotionsthema Ad-hoc-Netze, eine faszinierende, neue Art spontaner Kommunikation. Wie immer hatte ich dabei großen Spaß.

Vorlesungen sind eine recht spezielle Art von Vorträgen. Sie sind deutlich länger als die meisten Präsentationen und sie haben vor allem das Ziel, eine große Menge an Wissen zu vermitteln. Das scheint auf den ersten Blick der Empfehlung zu widersprechen, die Inhalte eines Vortrags auf das Wesentliche zu reduzieren und Details, die nicht für das Verständnis relevant sind, wegzulassen. Lesen Sie mehr...
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Die vier Prinzipien professionellen Designs

In ihrem hervorragenden Buch Design & Typografie behauptet Robin Williams, jeder könne ein besserer Designer werden, wenn er vier Prinzipien berherzigt: Nähe, Ausrichtung, Wiederholung, Kontrast. Wie einfach es tatsächlich ist, durch Anwendung dieser vier Regeln ein völlig langweiliges Design in ein ansprechendes und interessantes Design zu verwandeln, möchte ich Ihnen an einem Beispiel vorführen, das ich schrittweise anhand der Regeln überarbeite. Lesen Sie mehr...
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Design für Nicht-Designer

Buchcover: Robin Williams – Design und Typografie
Jeder ist ein Designer, zumindest wenn er schon einmal einen Flyer, eine Visitenkarte, eine Einladung, einen Bericht, Folien für einen Vortrag oder was auch immer entworfen hat. Die meisten verlassen sich dabei jedoch auf ihr Bauchgefühl und haben eine eher vage Vorstellung von „das sieht gut aus“ oder „das sieht nicht gut aus“. Das wird sich ändern, wenn Sie Design & Typografie von Robin Williams lesen.

Die Kernaussage des hervorragenden Buches lautet: Design ist einfach und jeder – wirklich jeder – kann wirkungsvolle, optisch ansprechende Designs entwerfen. Und tatsächlich, während man das Buch liest, fühlt man sich, als könne man gleich loslegen mit der Designer-Karriere. Der Autorin gelingt es, in sehr einfacher Sprache die wichtigsten Grundsätze professionellen Designs zu erläutern und anhand anschaulicher, weil alltäglicher Beispiele verständlich zu machen. Durch die zahlreichen Beispiele erhält man zugleich viele Anregungen, wie man die Empfehlungen für die eigene Arbeit nutzen kann.

Im Wesentlichen reduziert Robin Williams erfolgreiches Design auf vier Grundprinzipien: Nähe, Ausrichtung, Wiederholung und Kontrast, die sie ausführlich erläutert. Daneben gibt es einen kleinen Exkurs in die Typografie, um Schriften bewusster und zielgerichteter auswählen und einsetzen zu können. Zahlreiche kleinere und größere Tricks und Kniffe runden das Buch ab. Ein Ratschlag bleibt dabei in besonderer Erinnerung: Sei kein Frosch, sei mutig!

Natürlich werden Sie nicht über Nacht zum Profi-Designer, nur weil Sie dieses Buch gelesen haben. Aber Sie werden die Welt mit anderen Augen betrachten, weil Sie verstehen und benennen können, was Sie täglich sehen; in Zeitschriften, auf Plakaten, auf Folien usw. Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie in der Lage sein zu sagen: „das sieht gut aus, weil...“ oder „das sieht nicht gut aus, weil...“ Das wichtigste dabei: Sie können das auch über Ihre eigenen Entwürfe sagen. Und wenn Sie einmal begonnen haben, durch diese Brille zu schauen, werden Sie kaum einen Weg zurückfinden, sondern nach mehr verlangen. Einen besseren Einstieg als dieses Buch werden Sie schwer finden.

Übrigens: Das Buch ist die Übersetzung der dritten Auflage des englischen Bestsellers The Non-Designer’s Design Book, das nun erstmals in Farbe erschienen ist.

Links zu dem Buch:
Leseprobe auf der Webseite des Verlags
Design & Typografie bei Amazon
Das englische Original The Non-Designer’s Design Book bei Amazon
The Non-Designer’s Design & Type Book, zwei Bücher in einem (das deutsche „Design & Typografie“ entspricht nur dem englischen „Design-Book“, nicht diesem Doppelbuch)
Homepage von Robin Williams

[Amazon-PartnerLinks]
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Zitrone des Monats Juli 2008

Zitrone des Monats
Wozu noch Dokumente schreiben, wo es doch PowerPoint gibt. Immer häufiger verzichten Studien auf die Veröffentlichung erläuternder Dokumente und machen lieber gleich alles in PowerPoint. So auch die BKK, die in Zusammenarbeit mit TNS Healthcare eine Umfrage zu den Wartezeiten bei deutschen Ärzten durchgeführt hat.

Das Dokument erweckt, weil es eben PowerPoint ist, den Anschein der Übersichtlichkeit und der mundgerechten Aufbereitung der Ergebnisse, löst dieses Versprechen aber nicht ein. Auf jeder Folie muss man sich neu orientieren:
Pasted Graphic 2
mal sind die Verteilungen in Tortendiagrammen angegeben, mal in Balkendiagrammen. Diese sind wiederum mal horizontal, mal vertikal und mal gestapelt. Mal sind die Fachärzte in gewichteter Reihenfolge, mal in zufälliger (Folie 12). Und immer wieder muss man genau lesen, wenn man Beziehungen zwischen den Diagrammen herstellen möchte. Ein sinnvolles Diagramm nimmt dem Leser so viel Arbeit wie möglich ab. Diese Diagramme erschlagen aber auf jeder Folie auf’s Neue, weil es zu wenig Konsistenz gibt.

Pasted Graphic 4
Ein gehöriger Teil dieser Probleme ist auch auf das Format Folienpräsentation zu schieben. Der geringe Platz auf einer Folie, der zudem noch mit Logos, Kopfzeile und Überschriften geteilt werden muss(?), erfordert eben eine ganze Reihe Kompromisse. Für das Wichtigste, die eigentlichen Daten, steht somit weniger als die Hälfte des Platzes zur Verfügung.

Folien als Dokumente können durchaus funktionieren; der Wettbewerb um die besten Folien der Welt auf slideshare hat das im letzten Jahr gezeigt (übrigens läuft der Wettbewerb gerade wieder). Wenn es aber um die übersichtliche Aufstellung gesammelter Daten geht, ist dafür ein ausformuliertes Dokument besser geeignet, da es erheblich weniger Kompromisse in Layout und Design erfordert, eine viel bessere als die mickrige 800x600-Pixel-Auflösung bietet und so letztlich eine übersichtlichere Darstellung der Daten ermöglicht (Tabellen gehören hier übrigens durchaus dazu).

Die Zitrone des Monats geht also in diesem Monat an ein Dokument, das keines ist, aber gerne eines geworden wäre.

Übrigens: Ich habe selbst eine kleine Umfrage zum Thema Präsentationen gestartet und freue mich, wenn auch Sie sich maximal fünf Minuten Zeit nehmen, um die Fragen zu beantworten. Hier klicken.

Links zu diesem Thema:
Zitrone des Monats Juni 2008
Zitrone des Monats Mai 2008
Zitrone des Monats April 2008
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TED Top 10

Jedes Jahr lädt die TED-Konferenz herausragende Persönlichkeiten ein, den Vortrag ihres Lebens zu halten. Ich habe schon öfter darüber berichtet. Man kann es nur als Glücksfall bezeichnen, dass die Organisatoren seit zwei Jahren viele der Vorträge als Video online verfügbar machen, und zwar unter einer sehr großzügigen Creative-Commons-Lizenz.

Letzte Woche haben die Veranstalter verkündet, dass seit Beginn dieses Angebots über 50 Millionen Videos angesehen wurden. Dieses Jubiläum nahmen sie zum Anlass, die Liste der zehn meistgesehenen Videos zu veröffentlichen. Die Top 3 sind:
  1. Jill Bolte Taylor – My stroke of insight
  2. Jeff Han – Touchscreen demo
  3. David Gallo – Underwater astonishments
In diesem Video sind die Highlights der Top 10 zusammengefasst:


Nachdem ich das erstplatzierte Video von Jill Bolte Taylor bereits hier vorgestellt habe, möchte ich Sie stattdessen noch einmal auf einen weiteren meiner Favoriten hinweisen, die großartige Präsentation des schwedischen Professors Hans Rosling, die auf Platz 7 in der Liste steht. Ich wette, Sie haben noch nie zuvor Statistiken so aufregend präsentiert gesehen (außer Sie kennen das Video schon). Im Stil eines Sport-Reporters führt Rosling sein Publikum durch die Entwicklung der weltweiten Gesundheitstatistiken. Absolut atemberaubend:


Links zu dem Thema:
Homepage von TED
TEDBlog, indem auch alle neu eingestellten Videos angekündigt werden

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Ich mache es nicht

Eine Hochzeitstorte dekoriert mit zwei Schwänen
Vergangenen Samstag war ich auf einer Hochzeit eingeladen. Irgendwann nahm eine Freundin der Braut das Mikrofon in die Hand. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, dem Brautpaar ein Lied zu singen, obwohl sie so etwas noch nie getan hatte und keinerlei Gesangserfahrung hat. Sie war so nervös, dass sie uns folgende Geschichte erzählte:

„Ich tue jetzt etwas, was ich noch nie getan habe. Als ich vor einigen Wochen meinen Eltern davon erzählte, wollten die mich gleich für ihr Jubiläum engagieren. Da sagte ich mir: Nein, das mache ich nicht; die erwarten viel zu viel von mir. Als der Kirchenchor dann am Nachmitag ausgerechnet mein Lied anstimmte, sagte ich mir: Nein, das mache ich nicht; da kann ich eh nicht mithalten. Als heute abend das Essen serviert wurde, sagte ich mir: Nein, das mache ich nicht; ich blamier’ mich doch bloß und die anderen finden’s peinlich. Vor einer Minute dachte ich mir: Nein, das mache ich nicht.“

Dann begann sie zu singen und es war toll, mit ihrem Geschenk traf sie genau ins Schwarze.

Wenn Sie schon einmal ein Präsentationsseminar besucht haben, haben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit den Ratschlag gehört, sich nicht zu entschuldigen. Eine Entschuldigung mache das Publikum möglicherweise erst auf Fehler aufmerksam, die es selbst gar nicht bemerken würde und lasse sie selbst unprofessionell wirken. Etwas ganz ähnliches habe auch ich schon einmal hier geschrieben.

Aber: wichtiger als jede Regel ist, dass Sie als Person authentisch sind. Mit ihrer Geschichte hat die Freundin alles richtig gemacht. Sie hat eine Verbindung zum Publikum aufgebaut, sie war authentisch und jeder fühlte mit ihr. Regeln sind wichtig, aber urteilen Sie immer nach Ihrem Gefühl. Wenn es zu Ihnen passt, dann ist alles erlaubt.
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