Handouts gegen Death-by-PowerPoint

Karriereratgeber zweimal anders
Wem selbst das zu viel ist, der sollte einmal einen Blick auf die Zusammenfassung von Garr Reynolds werfen (alle anderen übrigens auch). Wie immer bei Reynolds treffen die Bilder absolut ins Schwarze. Schon das alleine verführt zum weiterklicken. Sehenswert ist aber darüber hinaus insbesondere:

- Die konsequente Verwendung einer Comic-Zeichnung seiner selbst, die die gesamte Präsentation auflockert und zum Manga-Charakter des Buches passt.
- Der virtuose Einsatz von Schriftvariationen in Farbe, Größe und Schriftart, die nicht pure Dekoration sind, sondern einen ganz klaren Zweck erfüllen.
- Die glasklare Strukturierung des Vortrags durch konsistentes, kontrastreiches Layout und den cleveren Einsatz der beiden vorigen Punkte.
Zahlen oder Bilder?

Das funktioniert hier aber nicht so
recht. Natürlich erkennt man, dass Hunger ein großes Problem ist,
aber echt betroffen ist man durch diese Folie nicht. Fakten alleine
berühren uns normalerweise nicht besonders. Auch sind die genannten
Zahlen reichlich abstrakt. Klar, sie sind furchtbar groß, aber
wirklich greifbar sind sie nicht. Die einzige greifbare Zahl ist in
der letzten Zeile versteckt: alle 5 Sekunden verhungert ein Kind.
Das kann man sich vorstellen; deshalb sollte der Schwerpunkt auch
auf diese Aussage gelegt werden. Wenn man einige der redundanten
Zahlen weglässt und ein emotionales Bild hinzufügt, funktioniert
die Folie schon besser:

Aber irgendwie überzeugt das noch immer
nicht so recht. Es ist nicht klar, worauf der Schwerpunkt des
Arguments gelegt wird: 1 Milliarde Kinder in Armut, jedes fünfte
Kind ohne sauberes Wasser oder 6 Millionen Kinder, die jährlich
verhungern. Natürlich machen alle drei für sich genommen betroffen,
aber eine größere Wirkung erzielt man häufig, wenn man sich auf
eine Aussage konzentriert. Lässt man alles weg, was auf dieser
Folie von der Kernbotschaft ablenkt, und verstärkt die
Kernelemente, erhält man eine viel effektivere Folie:

Diese Folie ist eine wunderbare
Plattform, auf der man eine emotionale Argumentation aufbauen kann.
Die Statistiken, die wir aus der Folie gestrichen haben, können
während des Vortrags genannt werden und erhalten durch die starke
Kernaussage eine direkte Bedeutung. Die Handlungsaufforderung wird
auch unmittelbar klar: Retten Sie ein Kind, indem Sie spenden! Sehr
effektvoll ist es übrigens, wenn Sie während des Vortrags die 5
Sekunden noch anschaulicher machen, indem Sie z.B. für kurze Zeit
alle 5 Sekunden mit den Fingern schnippen.
Links zu dem Thema:
Präsentationen von Chris Landry
vom Sustainable Food
Lab
Buchempfehlung: "Was bleibt" von Chip und Dan Heath,
insbesondere Kapitel 5: "Emotional"
CC-BY-NC-ND
Der Verfasser eines Werks behält normalerweise für sein Werk sämtliche Verwertungsrechte, u.a. die Rechte zur Vervielfältigung, Verbreitung und Bearbeitung. Für diesen Blog, genauer gesagt für sämtliche von mir verfassten Texte, verzichte ich jedoch auf einige dieser Rechte.
Die Creative-Commons-Initiative hat zu diesem Zweck eine ganze Reihe an Musterlizenzen juristisch ausformuliert. Von diesen Lizenzen habe ich die BY-NC-ND-Lizenz gewählt. Auf den Punkt gebracht dürfen Sie damit, soweit nicht anders gekennzeichnet, sämtliche Texte dieser Webseite unter folgenden Bedingungen beliebig kopieren und verbreiten:
- Sie müssen meinen Namen als Verfasser nennen und auf die Webseite "http://überzeugend-präsentieren.de" als Quelle verweisen (BY).
- Sie dürfen die Inhalte nicht für kommerzielle Zwecke verwenden (NC).
- Sie dürfen keine Änderungen an dem Text vornehmen (ND).
Die genauen Lizenzbedingungen können Sie hier nachlesen. Bitte beachten Sie, dass diese Lizenz nicht für die Bilder auf dieser Webseite gilt, es sei denn, ich gebe dies explizit an.
Der Zen-Meister präsentiert

Wenn Designer Folien designen

Kerr sprach über das Design von grafischen Benutzerschnittstellen für E-Mail-Programme und Bookmark-Webseiten. Seine Experimente dazu sind durchaus sehenswert, interessieren uns hier aber nur am Rande. Spannender ist das Folienlayout: extremer Blocksatz, der konsequent auf Großbuchstaben setzt und Zeilenzwischenräume fast vollständig eliminiert.

Das geht zwar ein wenig auf Kosten der Lesbarkeit, ermöglicht aber einige interessante Effekte. So ist etwa in dem Beispiel oben automatisch durch das Layout eine hierarchische Ordnung vorgegeben, indem die Listeninhalte unterschiedlich groß sind. Mit herkömmlichen Bullet Points wäre das erheblich undeutlicher.
Damit dieser Effekt funktioniert, müssen die Worte natürlich geschickt gewählt werden und die wichtigeren Aussagen mit weniger Zeichen ausgedrückt werden als die unwichtigen. Das beherrscht Kerr aber durchaus virtuos, etwa auch in den folgenden Beispielen, wo die Betonung ganz konsequent auf "tree", "messages" und "arcs" liegt.



Sehr interessant ist auch der Wechsel
zum zweiten Teil seines Vortrags, der schon rein optisch sofort
klar wird. Kerr ändert nämlich sein Layout radikal, indem er nun
konsequent klein und in einer Zeile schreibt.
![]()
Das Video sollten Sie sich in jedem
Fall einmal ansehen. Der Vortrag selbst hat sicher ein paar
Schwächen, aber von der Foliengestaltung kann man einiges lernen.
Zwar ist dieses spezielle Layout wohl nicht für jede
Präsenationssituation geeignet, aber ich halte es für einen
gelungenen Ansporn, einmal aus den PowerPoint-Vorlagen auszubrechen
und etwas neues zu versuchen.
[gefunden bei information aesthetics]
Hauptsache schrill

Das größte Problem ist die nicht maßstabsgetreue Repräsentation der Kästen. Besonders auffällig ist, dass die Höhen nicht proportional zu den Zahlenwerten sind. Wenn man etwas genauer hinsieht, erkennt man darüber hinaus, dass die Breiten der Kästen nicht gleich sind. Das Diagramm sorgt dadurch eher für Verwirrung als für ein leichteres Verständnis.
Das schrille Layout hilft auch nicht gerade weiter und hat selbst eine ganze Reihe von Problemen: Zunächst bleibt unklar, warum die positiven Faktoren "sales growth" und "cost reduction" übereinander, die negativen Faktoren aber nebeneinander stehen. Ferner sind die Tabellen, die die Kostenreduzierungen erläutern, trotz der Pfeile schwer zuzuordnen. Und schließlich gibt es wieder eine Reihe liebloser Anfängerfehler mit den Schriftgrößen, der Anordnung der Objekte und noch einiges mehr.
Wie immer liefere ich einen Vorschlag, wie es besser gehen könnte. Als offensichtlichste Änderung habe ich die Einflussfaktoren als Pfeile und nicht als Kästen gezeichnet. Auf die schrille Farbgebung habe ich verzichtet. Dafür sind die Schrittweiten jetzt proportional zu den entsprechenden Zahlenwerten. Schließlich habe ich die Tabellen direkt neben die entsprechenden Kategorien angeordnet.

Achtung, jetzt kommt ein Cartoon

Mein persönlicher Favorit ist "Casablanca", das die üblichen PowerPoint-Templates, die in Unternehmen so verbreitet sind, auf den Filmklassiker Casablanca anwendet. Wie viel Emotion bliebe wohl noch übrig, wenn von der Projektionsfläche erst einmal der ganze dekorative Rand abginge und ständig das übergroße Logo über dem Film prangerte? Fehlt nur noch die Überschrift für jede Szene; wie wäre es z.B. mit der aussagekräftigen Überschrift "Die Schlüsselszene"? Übrigens: beim Fernsehen ist das gar nicht mal so weit her geholt, denn hier müssen wir mittlerweile ständig die Senderlogos ertragen; von CNN-Nachrichten will ich gar nicht erst sprechen.
Auf der Webseite sind noch viele weitere, sehr gelungene Beispiele zu finden. Eine kleine Anregung: Wer seinen Mitmenschen auch einmal halbwegs dezent sagen möchte, dass seine Präsentationen verbesserungswürdig sind, bisher aber noch nicht wusste wie, kann ja einmal darüber nachdenken, einen der Cartoons in Form einer Postkarte zu verschicken oder das Poster an seine Bürotür zu hängen.


Noch eine Cola, bitte

Folien sind dazu da, eine Präsentation optimal zu unterstützen und die wesentlichen Aussagen zu unterstreichen. Diese Folie ist jedoch so voll, dass man gar nicht weiß, wo man beginnen soll.
Es gibt drei wesentliche Elemente: eine Abbildung, die die Drei-Farben-Stratgie von Coca-Cola veranschaulicht, ein Diagramm, das die Veränderung des Ergebnisses zum Vorjahr zeigt, und eine Tabelle, die für jede der Farben Statistiken zeigt. Alle drei Elemente schreien durch ihre schrille Farbgebung nach Aufmerksamkeit. Was ist eigentlich das Wesentliche und was nur erklärende Zusatzinformation? Betrachten wir die drei Elemente im Einzelnen. Lesen Sie mehr...
Eine Cola mit Zitrone

Wie man solch eine Gelegenheit aber auch richtig vergeigen kann, zeigt der Coca-Cola-Abfüller Coca-Cola West aus West-Japan mit seiner Präsentation der Ergebnisse für 2007.



Die Beispiele sehen nicht nur billig aus, sie sind auch offenbar mit wenig Sorgfalt vorbereitet worden. Das Layout ächzt an allen Ecken und Kanten durch Anfängerfehler (z.B. Überlappungen und Inkonsistenzen), auch Rechtschreibfehler schleichen sich ein (z.B. "Coca-Cole"). Das Foliendesign schreit einen geradezu an mit seinen schrillen Farben. Die unendlich vielen Farbverläufe wirken nicht nur verspielt, sondern wecken einen unseriösen Eindruck. Die Folien sind hoffnungslos überfüllt mit Details, so dass die Kernaussagen völlig im Rauschen untergehen. So geht es übrigens 75 Folien lang zu (fairerweise: bei Folie 50 beginnt das Referenzmaterial). Ein Leser des Blogs Presentation Zen schreibt dazu in den Kommentaren: "Seems that coca is still a major ingredient of their sugared beverages."
Übrigens läuft auch der Einwand ins Leere, das Ganze müsse so ausführlich sein, weil es ja gleichzeitig als Handout für die Analysten dient. Erstens ist es ungeheuer mühsam, sich durch dieses unübersichtliche Material durchzuarbeiten und die wesentlichen Informationen oder gar die groben Trends herauszufiltern. Damit ist es als Handout genauso untauglich wie als Präsentationsmaterial. Außerdem gibt es für die vergangenen Jahre durchaus sehr ansehnliche "Annual Review"-Dokumente. Echte Dokumente, die alles besser machen als diese merkwürdigen Folien. Sie sind übersichtlich strukturiert, liefern klare Aussagen und sehen auch noch gut aus, z.B. dieses einfache Diagramm:

[gefunden bei Presentation
Zen]
Links zu diesem Thema:
Zitrone des Monats März 2008
Coca-Cola West
Präsentationsunterlagen
der Coca-Cola West
Annual-Review-Dokumente
der Coca-Cola West
Was man bei technischen Präsentationen vermeiden sollte

Bei der letztjährigen MEDC, Microsofts Konferenz für "mobile and embedded devices", haben sich vier Microsoft-Mitarbeiter einen Spaß daraus gemacht, die gröbsten Fehler bei technischen Präsentationen in einem Video nachzustellen. Wenn man nicht wüsste, das es Spaß ist, man könnte es glatt für echt halten. So traurig ist das oft auf Konferenzen; und so gut haben die vier das nachgestellt.
[gefunden bei Speak Schmeak]









